Gründung  und  Aufbau  der  Waldorfschule Karlsruhe

Über E.A. Karl Stockmeyer verbindet sich Karlsruhe mit der Waldorfbewegung. In Malsch geboren und aufgewachsen, im badischen Schuldienst tätig, hörte er 1904 in Karlsruhe erstmals Rudolf Steiner, an dessen Seite er dann 1919 mit Emil Molt und Herbert Hahn am Aufbau der ersten Waldorfschule in Stuttgart wirkte. Ein Verzicht auf eine Schulgründung 1946 zugunsten Pforzheims konzentrierte die Kräfte aller Freunde und Eltern auf den Nachbarn. 30 Jahre lang fuhren manchmal 150 Schüler täglich die 30 km mit der Bahn zur Pforzheimer Schule.

Als Antwort auf Bildungsreform und Vorschulerziehung gründeten Eltern und Freunde in Karlsruhe 1969 einen Waldorfkindergarten- und Waldorfschulverein. Innerhalb von zwei Jahren entstand im Stadtteil Rintheim ein Kindergarten mit drei Gruppen und einem eigenen Haus. Zu gleicher Zeit bildete sich ein pädagogischer Arbeitskreis.

Als 1975 eine Gruppe Lehrer aus Karlsruhe, angeführt von Pfarrer Christof Klemp aus der Christengemeinschaft, in der Pforzheimer Lehrerkonferenz von ihrer Arbeit berichtete, war es so weit: Aus dem Arbeitskreis war ein Gründungskollegium herangereift. Pforzheim stellte mit Herrn Beyersdorffer den Gründungslehrer, eine Gruppe initiativer Eltern stand bereit.

Im Dezember 1976 wurde die Genossenschaft als wirtschaftlicher Träger der Schule gegründet und am 16. August 1977 begann der Unterricht für die Klassen 1 - 5 nachmittags in der dem Bauplatz benachbarten Ernst-Reuter-Schule.

Der Müllerbau und der Altbau

Im Mai 1977 hatte nach langen Verhandlungen mit der Stadt im zentralen Bereich der Waldstadt der Neubau eines ersten Schulgebäudes begonnen werden können. Nach nur sieben Monaten Bauzeit wurde der Unterricht im Januar 1978 in das eigene Gebäude verlegt.

Nachdem die Raumreserven des ersten Bauabschnitts (jetzt "Müllerbau" nach dem Architekten Müller genannt) nur bis 1980 für die regelmäßig wachsende Schule ausreichten, schaffte ein "Pavillon" als dauerhaftes Provisorium die Zeit, um eine Gesamtkonzeption für den weiteren Ausbau der Schule zu entwickeln.

Heute sind darin ein Teil des Gartenbaus, die Metallwerkstätten und das Buchbinden untergebracht.

Der Altbau

Auf der Grundlage des Entwurfs von Architekt Jens Peters aus Stuttgart wurde der Neubau, heute „Altbau“ genannt, schrittweise entsprechend dem wachsenden Raumbedarf und unter Abwägung der Risiken ausbleibender Zuschüsse fertiggestellt.

Im Mai 1984 wurde die Fertigstellung des Schulbaus und des Bühnensaals durch die Schulgemeinschaft im Rahmen der Jahrestagung des Bundes der Freien Waldorfschule mit über 1.000 Gästen gefeiert.

Der Aufbau der zweizügigen Schule im Jahr 1990

So konnte der Eindruck entstehen, die Phase des äußeren Aufbaus und Wachstums unserer Schule sei beendet: mit fast 470 Schülern und 35 Lehrerinnen und Lehrern schien die Schule auch längerfristig die ihr angemessene Größe erreicht zu haben. Dabei blieb aber unberücksichtigt, dass die Anziehungskraft der Waldorfschulen ungebrochen ist: Jährlich mussten Bewerbungen für die 1. Klasse in Klassenstärke(n) abgewiesen werden. So stellte sich schneller und dramatischer als erwartet die Frage der künftigen Schulentwicklung, sprich: Beginn eines Parallelzuges in der 1. Klasse.

Vom Kollegium eingeleitet hat sich die Schulgemeinschaft nach rund 1½ jährigem Prozess der Meinungs- und Willensbildung durch das Votum der Eltern-Lehrer-Konferenz vom 29. März 1990 auf den Weg zur zweizügigen Karlsruher Schule begeben.

In einem ersten Schritt wurde aus den bisherigen Erfahrungen ein Idealkonzept für die zweizügige Karlsruher Waldorfschule abgeleitet und vom Architekten dargestellt. Wesentliche Teile der Erweiterung umfassen neben den notwendigen Fach- und Klassenräumen eine vergrößerte zweite Turnhalle, die vielfältige Nutzung zulässt, und ein großer Saal, der mit 800 Sitzplätzen Stadttheaterqualität hat. Die Durcharbeitung des Projekts zwischen Architekt, Kollegium und Baukommission ergab die Vorentscheidung, nicht zwei Züge nebeneinander, sondern eine große Schule zu entwickeln, in der die einzelnen Altersstufen mit Bezug zu den Entwicklungsschritten den Fachräumen zugeordnet sind. Die Zuordnung erfolgt so, dass jeder Schüler in seiner Schulzeit zweimal das Gebäude „durchwandert“ und so auch immer die anderen Altersstufen wahrnehmen kann. Die

Gegenüberstellung des Projektes mit den zu erwartenden Kosten ergab, dass das Vorhaben nicht in einem Zug realisiert werden konnte. Die ersten Jahre der Zweizügigkeit konnten noch durch ein „Zusammenrücken“ in den vorhandenen Gebäuden ermöglicht werden. Im Herbst 1994 wurde mit dem Abschnitt 1A des Neubaus begonnen, September 1996 konnte die Einweihung gefeiert werden.

Die Abgrenzung des Abschnitts erfolgte einerseits nach dem dringlichsten Raumbedarf, andererseits unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit, aber auch der Leistungsgrenzen der Elternhäuser. Die Zusage staatlicher Förderung für den Bauabschnitt 1A war Voraussetzung, um einen weiteren, kleineren Bauabschnitt 1B in Angriff zu nehmen. Die Bauleistungen der Firmen wurden im Wesentlichen bereits 1999 abgeschlossen, im Oktober des Jahres konnten die ersten Räume bezogen werden.

Auch damit sind noch nicht alle notwendigen und wünschenswerten Räume für die zweizügige Schule verfügbar. Weitere Bauabschnitte (2A/2B) oder Provisorien sind erforderlich, um den weiteren Raumbedarf der wachsenden Schule zu decken. Aus dem modifizierten Raumprogramm für 2B wurde inzwischen kurzfristig ein Provisorium für Eurythmie und Spielturnen im Januar 2002 fertiggestellt. Der Holzbau mit einer Nutzfläche von etwa 130 m² wird mittelfristig in den Baukörper des Bauabschnitts 2B integriert. 

Da direkt angrenzend an das Schulgelände keine Freiflächen für die notwendige Erweiterung des Gartenbaus zur Verfügung standen, wurde 1997 einen Kilometer nördlich der Schule ein Gelände gepachtet. Dort steht seit 2004 ein weitgehend in Eigenarbeit geplantes und errichtetes Gebäude, in dem ein Unterrichtsraum und die nötigen Nebenräume für den Gartenbau des 2. Zuges untergebracht sind.

Die bauliche Zukunft unserer Schule

Neben der Realisierung umfangreicher Projekte in den Bereichen LED-Beleuchtung, Brandschutz und Schulbühne, die in nächster Zukunft vollständig umgesetzt werden, beschäftigt sich die Große Baukommission mit Plänen zu einer Erweiterung des Schulbaus. Hierzu wurden die Raum-Bedarfe einer zukunftsorientierten Pädagogik ermittelt und im Rahmen eines Architekten-Wettberwerbs die Weichen gestellt für eine individuelle Erweiterung der Schulgebäude. Zur Umsetzung dieses neuen Abschnitts arbeitet die Große Baukommission eng mit Schulrat und den Vorstand der Genossenschaft zusammen.

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