Projekte


Unterricht in Projektform gehört zum Alltag der Waldorfschulen, denn jeder Unterricht, der in Epochen gegeben wird, ist im Grunde ein kleines Projekt. (Epochenunterricht)

Doch wird der Schulalltag immer wieder durch Projekte bereichert, die den Takt des Stundenplans außer Kraft setzen und ein besonderes Glanzlicht im Schuljahr für die betreffende Klasse bedeuten.

Das beginnt in der 3. Klasse mit der Hausbau-Epoche und der Ackerbau-Epoche. Kleine Ausflüge werden zu Exkursionen und Klassenfahrten.

Unvergessliche Ereignisse sind die Klassenspiele in der 8. und 12. Klasse. Auch beim Mittsommerspiel der 4. Klassen kann unser Saal das Publikum kaum fassen.

Die Arbeit der musikalischen Gruppen in der Mittel- und Oberstufe gipfelt jedes Jahr vor Pfingsten im Schulkonzert.

Eine besondere „Leistungsschau“ ist die Vorstellung der Jahresarbeiten der Schüler der 12. Klassen.

Fester Bestandteil des Curriculums der Oberstufe sind verschiedene Praktika.

Die Arbeit der Streitschlichter ist in den letzten Jahren über das Projektstadium hinausgewachsen und fester Bestandteil des Schullebens geworden.

Die Klassenfahrt der Klasse 12a im Schuljahr 2010/11

Unsere Arbeit am Roma-Kindergarten  Kriva  Palanka,
Makedonien vom 15.- 23.Juli 2o11

 

Unsere  Klasse  12a  der  Freien  Waldorfschule  Karlsruhe  hatte  sich  nach längerer  Überlegung  entschlossen  ihre  Abschlussfahrt  zum  Ende  der 12.Klasse einem sozialen Projekt zu widmen. Auf der Suche danach waren wir fündig geworden bei einem Kindergartenprojekt in Makedonien, das von der  NGO  „Fritz-Aid“  aus  Sindelfingen  2oo6  zum  Starten  gebracht  worden war. 

Dieser  Kindergarten  ist  eingerichtet  worden  für  die  Kinder  der  Roma-Familien in Kriva Palanka in der Nähe von Skopje. Der treibende Gedanke dabei  war  und    ist,  langfristig  die  Situation  der  Roma  Familien  und  ihrer Kinder zu verbessern  dadurch,  dass sie  durch  gemeinsame  Erziehung mit den übrigen Kindern der Gegend Bildung, insbesondere die Landessprache erwerben  können. 

Die  Roma  stellen  zwar  eine  recht  große Bevölkerungsgruppe  in  Kriva  Palanka  dar,  leben aber  unter  teilweise ärmlichsten Umständen und menschenunwürdigen Lebensbedingungen...

Mit der 8. Klasse endet an den Waldorfschulen die Zeit, in der ein Klassenlehrer seine Klasse acht Jahre lang in den Kernfächern unterrichtete und führte. Die Klasse wird dann in der Oberstufe von Klassenbetreuern und Fachlehrern weitergeführt.

Zum Abschluss dieser Klassenlehrerzeit wird meist ein großes Theaterstück vorbereitet und aufgeführt. Es bildet sozusagen den dramatischen Höhepunkt dieser acht Schuljahre.

Die Form des Schauspieles bietet einen sicheren Rahmen und Schutz für die Jugendlichen, die jetzt - oft in dramatischen Entwicklungsschritten - ihre Persönlichkeit entfalten und hier ihre eigene Rolle neu finden, ertasten und erproben können.

Bei der Erarbeitung des Schauspieles sind die Jugendlichen vor allem aber gefordert, ihre Persönlichkeitskraft in den sozialen Organismus der gewachsenen Klassengemeinschaft einzubringen, wobei eventuell bestehende Gruppen- und Cliquenbildungen in der Klasse meist an Bedeutung verlieren.

Viele Möglichkeiten der Entfaltung individueller Fähigkeiten bieten sich bei der Gestaltung des Bühnenbildes, der Beleuchtung, der Choreographie und der Musik zum Schauspiel. Das bisher in den Fächern Malen, Handwerk, Handarbeit, Musik und Eurythmie Gelernte und Erarbeitete kann nun, ganz individuell, im praktisch künstlerischen Tun zum Ausdruck gebracht werden.

Schließlich entsteht durch den aktiven Einsatz jedes Einzelnen ein Gesamtkunstwerk, das für die weitere Entwicklung der Jugendlichen von großer Bedeutung ist und allen als prägnantes und unvergessliches Ereignis in ihrer Schulzeit lebendig bleiben wird.

Das Mittsommerspiel wurde von Marguerite Lobeck-Kürsteiner vor vielen Jahrzehnten aus dem Bedürfnis heraus geschrieben, den Kindern in der Stadt das „Geistesweben im sommerlichen Naturgeschehen mit wachen Ohren und Augen" nahe zu bringen. Das Spiel zeigt, was an Johanni „hinter den Kulissen“ des Alltagslebens geschieht, welche Wesen im Unsichtbaren an dem Aufblühen der Natur beteiligt sind, am Leben der Tiere, Steine und auch der Menschen. Die vier Elementarwesenheiten (Gnome, Nymphen, Sylphen und Feuergeister) erscheinen auf der Bühne und berichten ihrem Meister, dem Pan, was sie für Mensch und Natur alles getan haben. Auch die Faune, die Diener des Pan, haben viel zu berichten.

Mit der Hilfe von Musik (H.U. Stoller), Eurythmie und Beleuchtung entsteht auf der Bühne ein wunderbarer Traum, den die vielen Kinder jedes Jahr zur Johannizeit Wirklichkeit werden lassen. Beteiligt sind jeweils die beiden 4. Klassen der Schule und einige wenige ältere Schüler, die dabei mithelfen.

Wie das Spiel an unsere Schule kam:

Vor 25 Jahren sah ich das Mittsommerspiel zu ersten Mal in der Basler Rudolf Steiner Schule. Mein viel jüngerer Bruder spielte mit großer Begeisterung einen Faun. Zwei Jahre später sah ich das Spiel wieder, da meine jüngste Schwester eine Nymphe sein durfte. Weil meine Mutter verhindert war, half ich den Kindern beim Anziehen der Kleider und kam dabei mit der Eurythmielehrerin ins Gespräch, die das Spiel mit viel Hilfe und großer Freude schon einige Male eingeübt hatte. So saß ich dann bei der Aufführung im Saal - mit Papier und Bleistift - und versuchte das Gesehene irgendwie festzuhalten, da ich mir dieses Spiel auch für Karlsruhe wünschte. Bis es aber so weit kam, vergingen fast 10 Jahre.

Für ein solches Spiel braucht man eine Klasse, einen Klassenlehrer und viele Helfer, die ich lange Zeit nicht finden konnte. Als ich aber ganz unerwartet Klassenlehrerin in Vertretung wurde, fand sich alles zusammen. Ich bekam eine 4. Klasse. Außerdem war die Familie Wyss aus der Schweiz im gleichen Jahr an die Schule gekommen. Herr Wyss ermunterte mich, das Spiel einzustudieren, da er es auch sehr gut kannte. Er erbot sich, für den Bühnenschmuck zu sorgen. Einer seiner Söhne spielte den Pan und mehrere Eltern aus der 4. Klasse boten sich an Kostüme zu nähen. So entstanden die Kleider für die Mücken und Frösche. Ich färbte die Schleier mit viel Vergnügen und nähte viele Kleidchen. Und so kam nun das Mittsommerspiel an Johanni 1996 zum ersten Mal zur Aufführung. In den folgenden Jahren studierte ich es mit freiwilligen Kindern der Klassen 3-6 ein. Als ich wieder eine eigene 4.Klasse hatte, nahm zusätzlich auch die Parallelklasse an dem Spiel teil. Das hieß nun, dass die Kleideranzahl verdoppelt werden musste. Dabei halfen viele Eltern. Für mich gab es auch immer genügend zu tun. Seither spielen immer die beiden 4.Klassen das Spiel. Um dieses wunderbare Spiel auf die Bühne zu bringen, braucht es immer unglaublich fleißige Helfer, denen ich hier an dieser Stelle ganz herzlich danken möchte.

Chr. Greiner

Das Solidaritätskonzert  -  ein großes Schulfest

Am 9. Dezember 2011 fand ein rauschendes Schulfest statt: das Solidaritätskonzert im Stephanssaal in der Stadt. Angefangen hatte dieses einmalige Schulprojekt mit der Klassenfahrt der letztjährigen 12a nach Mazedonien, wo die Schüler Aufbauarbeit bei einem gemischten Kindergarten für mazedonische und Roma Kinder leisteten. Daran schloss sich eine vielfältige Auseinandersetzung mit der uns wenig bekannten Kultur der Sinti und Roma an. „Bari-Duk  -  Symphonia Romani“ war der eindrucksvolle Höhepunkt des Solidaritätskonzertes, dessen Erlös zum großen Teil dem Kindergartenprojekt zugute kommt. Die Sinfonie erzählt die Geschichte des Rom Hugo Höllenreiner, der als Kind die Hölle von Auschwitz durchlebte und überlebte. Einige Wochen vorher konnten die Oberstufenschüler eine Begegnung mit Hugo Höllenreiner haben, ein Gespräch. Es ist kaum zu beschreiben, was wir mit Hugo erlebten: der Holocaust ist nicht ein historisches Ereignis, 70 Jahre her, begraben in Geschichtsbüchern: es ist Teil einer Biographie, des Lebens eines heutigen Menschen; wie wenn es gestern passiert wäre. Bis vor wenigen Jahren war es Hugo Höllenreiner nicht möglich, über seine Erlebnisse zu sprechen.
Mit großem Ernst musizierten die Schüler, Chor und Orchester, und mit Begeisterung; zurecht. Die Sinfonie war fast eine „Mission“; und das Engagement der Schüler fand ich eigentlich das Schönste an dem Konzert. Alles wurde sehr gediegen musiziert. Vor allem die Sinfonie ist schwer, und es bedurfte vieler Probennachmittage, und auch einer kurzen Chor- und Orchesterfahrt, um das Konzert hinzubekommen. Der Höhepunkt war sicher die Generalprobe am Donnerstag vor dem Konzert: der Komponist Adrian Gaspar war aus Wien mit  seinem Jazztrio da, und probte mit den Schülern bis in den Abend. Das sind einmalige Erlebnisse, mit Profimusikern in einer Gemeinschaft zu musizieren; dabei „geht’s auch ab“ bei den mitmusizierenden Lehrern: neue Seiten erlebte man bei Herrn Lange, Herrn Geuppert, Herrn Neukirchner, Herrn Bühler!
Unser Schulkonzert bietet nicht die Perfektion eines Musikgymnasiums; aber dafür haben wir andere Qualitäten. Jeder Schüler darf mitmusizieren, auch der, der sich’s sonst vielleicht nicht zutrauen würde. „Spain“ von Chick Corea war eine Sternstunde der M1 Musikgruppe der 10. Klassen, die mit den Wiener Profis und den Lehrern losfegte! Das ist Musikpädagogik, wo die Schüler die unbändige Spielfreude der (Roma) Profis erleben können, und mitmusizieren dürfen. Das war doch wirklich bezeichnend: das Konzert ist vorbei, das Publikum verteilt sich in der Vorhalle, man fängt an, abzubauen  ……  und die Musik geht immer weiter  -  am Klavier, am Schlagzeug, am Bass, ja es geht erst richtig los, mit jedem, der mitspielen möchte!!!
Ja, das ist richtige Musik, da kommt kein MP3 Player mit!

Nicholas Dodwell
(diesmal verhinderter) Musiker

Mitte der 12. Klasse präsentieren die Schülerinnen und Schüler ihre Jahresarbeiten. Dabei stellen sie die Ergebnisse eines zirka einjährigen Prozesses vor, in welchem sie sich mit einem bestimmten Thema sehr intensiv auseinandergesetzt haben.

Dieses Thema ist nicht an ein bestimmtes Unterrichtsfach gebunden, sondern kann frei gewählt werden. Dabei wird der Schüler von einem Schulmentor und eventuell einem Außenmentor betreut. Die Jahresarbeit besteht zum einen aus einem schriftlichen Teil, in welchem sich die Schüler theoretisch mit dem Thema auseinandersetzen. Zum anderen besteht die Jahresarbeit aus einem künstlerisch-praktischen Teil, im welchem konkrete Arbeitsergebnisse wahrnehmbar werden.

Die besondere Lernleistung bei der Anfertigung einer Jahresarbeit betrifft viele Aspekte. Zum einen ist es ein Projekt, bei dem Zeitmanagement, Planungs- und Organisationsfähigkeit sowie strukturiertes Arbeiten trainiert werden können. Manch ein Schüler mag sogar erste Schritte in Richtung wissenschaftliches Arbeiten tun. Zum anderen ist es auch ein schöpferisch-künstlerischer Akt, bei dem der Schüler ein Gefühl für die richte Gestalt des entstehenden Werkes entwickelt. Weiterhin werden Mut und Überwindungsfähigkeit getestet, wenn es darum geht, die Arbeit vor einem großen Publikum vorzustellen. Ebenso wichtig ist, dass der Wille, der für die Anfertigung einer solchen Arbeit vonnöten ist, geschult wird. Daran anschließend können auch wichtige Erfahrungswerte mitgenommen werden, wenn es darum geht, aus Sackgassen wieder herauszukommen und über „tote Punkte“ (an denen scheinbar nichts mehr geht) hinwegzukommen.

Der Weg vom Entstehen der Idee über die einzelnen Arbeitsphasen mit Höhen und Tiefen hinweg bis hin zum Glücksgefühl beim vollendeten Produkt kann sich auf die Persönlichkeitsentwicklung des Schülers positiv auswirken, weil er aktiv am gesamten Prozess beteiligt ist, in hohem Maße gestalterisch tätig ist und sich selbst als schöpferischen Teil der Welt sieht.

Jedes Jahr schwärmen unsere Oberstufenschüler hinaus in die Welt um dort in einem dreiwöchigen Praktikum wichtige Bereiche des Wirtschafts- und Soziallebens kennen zu lernen.

Diese Praktika dienen nicht der persönlichen Berufsfindung, auch wenn immer wieder Schüler dadurch für ihren weitern Lebensweg inspiriert werden. Sie sollen Orientierungspunkte geben, in welchem gesellschaftlichen Umfeld sich ihr Leben schon jetzt abspielt. Daran können die individuellen Impulse der Schüler zur eigenen Lebensgestaltung allmählich erwachen.

Durch die dreiwöchige Dauer - eine Woche der Pfingstferien und die zwei anschließenden Schulwochen - können die Schüler in die Arbeitsabläufe an ihrem Praktikumsplatz wirklich integriert werden. Sie erleben sich dann als leistungsfähige Mitglieder der Gesellschaft und entdecken dabei oft Fähigkeiten bei sich selbst, die im häuslichen und schulischen Alltag nur eine Nebenrolle spielen.

9. Klasse:   Landwirtschaftspraktikum

10. Klasse: Praktikum in Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben

11. Klasse: Sozialpraktikum

Neben den drei großen Praktika gibt es außerdem in der 10. Klasse noch ein Vermessungspraktikum und in der 11. Klasse die Naturwissenschaftliche Praktika.

Diese Veranstaltungen werden von Lehrern der Schule durchgeführt.

Die Streitschlichterarbeit an unserer Schule hat vor ca 7 Jahren mit der Generation 1 begonnen. Von zwei 8.Klasskollegen wurde ich damals gebeten eine Ausbildung für ihre Schüler anzubieten, nachdem wir in einer kleinen Arbeitsgruppe mit Klassenlehrern darüber gesprochen hatten, wie wir mit auftretenden Konflikten und auch Gewaltproblemen umgehen können.

Die Gruppe Generation 2 wollte diese Ausbildung ( ab 2oo8) machen, weil sie miterlebt hatten, wie hilfreich es sein kann, einen Konflikt wirklich zu lösen, der in der Klasse fast zu Mobbing geführt hatte. Das Erlebnis, in vielen Gesprächen, auch mit Streitschlichtern, am Ende zu einem gegenseitigen Verstehen zu kommen, und dann zu einer Verabredung miteinander, die für alle fruchtbar und bereichernd ist, war letztlich der Ausschlag gebende Punkt, der die Schüler dahin gebracht hat, um eine Ausbildungsmöglichkeit zu bitten .

Ein beteiligter Schüler hat es damals am Ende so formuliert:

„ich dachte, ich krieg jetzt ordentliche Strafe, aber dass die anderen versucht haben, mich zu verstehen, hat mir geholfen, die anderen zu verstehen, und dann konnte ich auch aufhören. Manchmal vergesse ich es aber wieder. Dann ist es gut, wenn wieder jemand mit mir spricht.“

Zahlen, Daten, Fakten zur Arbeit

Heute haben wir 3 „Generationen“ Streitschlichter und einige „Zwischenlösungen“

Generation 1      

                

Beginn 2005:

   

ursprünglich 22 Schüler, davon fertig 16 ausgebildete,

im Einsatz als selbstständing arbeitende Konflikthelfer.

   

9 sind inzwischen mit der Schule fertig

   

Viele Einsätze mit kleinen Schülern, Begleitungen und Hilfe

in Mobbing-artigen Situationen                                           

Generation 2

 

Ausbildung ab 2008 (derzeit die Aktiven)

Generation 3

 

Ausbildung ab 2010 (bald auch aktiv)

   

„Nachbarschaftsschlichter“ Eichendorff- Schüler

   

und einige 7.Klässler/8.Klässler von uns (2010)

Generation 4

 

Steht kurz vor dem Beginn.

Nicht alle Schüler, die die Ausbildung beginnen, machen sie auch fertig.

Nicht alle Schüler, die die Ausbildung fertig gemacht haben, arbeiten dann auch als Konflikthelfer

Permanente Weiterbildung

Alle ausgebildeten und arbeitenden Schüler haben regelmäßig einmal pro Woche so etwas wie kollegiale Supervision.

Fast alle ausgebildeten und arbeitenden Schüler fahren 3-4 mal im Jahr an Wochenenden auf eine Weiterbildungs-und Arbeitsfahrt, um in der Gruppe zu arbeiten, neue Fragen zu erörtern, und auch, um an den eigenen, in der Gruppe entstehenden Konflikten zu arbeiten, sprich an sich selbst zu arbeiten..

 „Standards“ der Ausbildung

Ausbildungen durch uns sehen formal 45 Stunden vor, es sind real immer viel mehr.

Ausbildungsziel ist das Erwerben einer mediativen Grundhaltung mit all dem, was dazu gehört. Die Anzahl der Stunden ist ein Richtwert neben anderen , z.B. der Frage der Haltung, den der Bundesverband Mediation u.a. angeben, um zu verhindern, dass unter dem Namen Mediation irgendwelche anderen Dinge sich einnisten. Schüler sollen eigentlich nur von Mediatoren ausgebildet werden, dazu braucht es eine Ausbildung.

 Die Hauptthemen der Ausbildung sind, grob vereinfacht und verkürzt:

  • Arbeit an der eigenen Haltung: Vorurteile überwinden, etwas Schwieriges äußern ohne den anderen anzugreifen oder zu beschuldigen. ( Ich-Botschaften)
  • Interesse entwickeln auch an etwas oder jemandem, den oder das ich nicht mag.
  • Hinterfragen lernen, was jemandem, der irgendwie merkwürdig ist, fehlen könnte ( also versteckte Bedürfnisse)
  • Aktives Zuhören, also fragen lernen, ohne zu nerven und ohne Hintergedanken, sondern sich auf den anderen einlassen
  • Mit eigenen Worten etwas zusammen fassen, was ein anderer sagt, ohne die eigene Haltung oder gar Wertung dazu zu mischen
  • Wie man jemandem, der mit Worten verletzt, ohne Verletzung seinen Ärger mitteilen kann
  • Wie ein Konflikt verlaufen und dabei eskalieren kann.
  • Wie man eingreifen kann, mit Interesse, mit fragender statt urteilender Haltung
  • Wie Mobbing entstehen kann, wie man eingreifen und unterstützen kann ( Mobbing-Pyramide)
  • Wann die Grenzen der eigenen Arbeit erreicht sind, wann man jemanden dazu holen muss oder kann
  • Wie wichtig die Erfüllung elementarer Grundbedürfnisse für den Menschen ist: Sicherheit, Anerkennung, Schutz, Wertschätzung, Selbstwert, Freundschaft usw.. und wie Gewalt entstehen kann, wenn sie einem Menschen lange Zeit versagt bleiben
  • Welche Informationen aus Gesprächen ganz vertraulich bleiben können, welche aber unbedingt weiter gegeben werden müssen, weil Gefahren damit verbunden sind, (z.B. bei Selbstverletzungen..)
  • Wie man ein gutes Gespräch führt, bei dem man sich am Ende ganz klar verabredet und wie man sich verabredet, dass die Verabredung auch eingehalten wird ( Nachgespräche usw.)
  • Was es braucht, dass sich Menschen wieder versöhnen können
  • Dass es viel schöner ist, wenn Menschen offen und achtsam miteinander umgehen, weil sich die Brille von dunkel in hell verwandeln kann…

 Themen der Arbeitswochenenden:

  • Mobbing: wie sieht das aus, wie kann man eingreifen, was sind ganz wichtige Dinge, die man wissen muss?
  • Gruppendynamik: was ergibt sich woraus und was könnte jeder verändern, dass sich die Guten Dinge ergeben können?
  • Mobbing ist lösbar : Artikel schreiben
  • Fortbildung: das erstarrte Wort- Online-Kommunikation : Sprache wieder ins Fließen bringen
  • Deeskalation bei Gewalt oder Krisen untereinander
  • Versöhnung- was braucht es, dass Versöhnung wirklich stattfinden kann

Inhalte mancher Arbeitwochenenden waren auch die gemeinsame Vorbereitung auf die Streitschlichterkongresse, die bis jetzt immer von Karlsruhe vorbereitet wurden.

Ehrenamtlicher Arbeitseinsatz von Lehrern und Schülern

Arbeitseinsatz der Schüler durchschnittlich 2 Stunden pro Woche

Was tun die Schüler-Mediatoren?

Im Haus hier

  • Begleitung Einzelner , denen es schlecht geht, die sich an uns wenden, die neu gekommen sind, und sich im Sozialen noch nicht sicher fühlen, sich nicht zurecht finden usw.
  • Konflikte zwischen Gleichaltrigen: Nach einem Erstgespräch mit einem Beteiligten, der sich an uns wendet, oder dessen Eltern sich an uns wenden, oder Klassenkameraden….Gespräche in verschiedenen Settings, um den beteiligten Schülern zu helfen, sich auszusprechen, ohne neu zu eskalieren, evtl Lösungen mit den Beteiligten gemeinsam erarbeiten, wie man einen Konflikt lösen, eine Verletzung heilen, auf jeden Fall wieder besser miteinander umzugehen kann.
  • Mobbing aufspüren und eingreifen, auf verschiedene Weise, meistens sind es sehr kleine Feedbackgespräche, Hinweise , die man jemandem gibt,
  • Schauen, wo Schüler häufig am Rande stehen, wo über bestimmte Schüler häufig unschön gesprochen wird, wo Gerüchte verbreitet werden, um dann vorsichtig und achtsam darauf zuzugehen und etwas in Lösung zu bringen.
  • Ideen entwickeln, wie man gemeinschaftliche Aktionen machen kann mit Gruppen von Schülern, die es schwer miteinander haben.
  • Cyber-Mobbing: Augen auf im Netz

Geplant ist:  jüngere Schüler aufklären über das, was im Internet passiert, was die Jugendlichen beobachten, welche Fehler da passieren, wo gefährliche Botschaften ausgesprochen werden usw.

Einschätzung der Bearbeitung solcher Problemfälle:

Und auch, wenn dann doch wieder etwas vorkommt, wieder mal jemand mit jemand anderem dumme Sachen sagt, die Schüler merken doch, dass es 1.) nicht spurlos verschwindet, sondern dass Leute gibt, die das ansprechen, und sie merken, 2.)dass das nicht im Sinne von „Tadel“, sondern im Sinne von Feedback geschieht. Es trägt dazu bei, dass die Schüler irgendwann Eigenverantwortung übernehmen. Auch wenn das im Einzelfall vielleicht erst nach der Schulzeit so sein sollte.

Ein ganz wesentlicher Faktor dabei ist die Beziehungsarbeit, die es nach einer Weile ermöglicht, dass Vertrauen entstehen kann. Das kann dazu führen, dass einige Schüler, die das erlebt haben, wieder kommen, von alleine, und von ihrem Bockmist erzählen, den sie mal wieder angestellt haben. Das passiert interessanterweise immer mehr per mail oder sms.

Wir haben heute einfach immer mehr einsame Kinder und Schüler, oder Schüler, die Beziehung als etwas erlebt haben, was halt dann wieder bricht, also eigentlich verletzte Kinder. Das ist ein Aspekt, den wir alle miteinander stärker ins Bewusstsein nehmen müssen. Die jugendlichen „Begleiter“, also Schülermediatoren, sind da in Einzelfällen gar nicht wegzudenken. Wir bekommen hier auch Rückmeldungen von Eltern, die sehr dankbar darüber sind, dass es das gibt.

Arbeit über den Rahmen der Schule hinaus:

Unsere Schüler-MediatorInnen arbeiten teilweise auch außerhalb der Schule

Über den gemeinnützigen Verein INTEResse :

www.interesse-ev.de

www.mobbing-ist-lösbar.de

 a) Vorbereitung und Gestaltung der Streitschlichterkongresse

  1. Karlsruhe ( 2oo9)
  2. Marburg   ( 2o1o)
  3. Karlsruhe ( 2o1o)
  4. München-Schwabing ( 2o111)
  5. München-Gröbenzell

 Themen der Streitschlichterkongresse:

    • Wie wir die Welt zum Guten verändern wollen ( Manifest der Streitschlichter an Waldorfschulen)
    • Mobbing und Gewalt- Auswege aus Teufelskreisen
    • Einrichten des Online-Hilfeforums
    • Wie gelingt Versöhnung ( Mandela und ander Beispiele)
    • De-Eskalationsmöglichkeiten: was kann ich selbst tun, um einem anderen aus der Not zu helfen, in der hinein geraten ist? ( Frühjahr 2o12)

b) Tandem-Tagungen

Die Tandem-Tagungen sind das Herzstück der überregionalen Arbeit und sind ins Leben gerufen worden von der Generation 1 der Karlsruher zusammen mit den Gründern von INTEResse. Sie finden jährlich einmal statt und heißen Tandem-Tagungen, weil Schüler und Lehrer verschiedener Schulen gemeinsam an dem Thema arbeiten. Unsere Schüler waren bis jetzt immer in der Vorbereitung tätig und jeweils zwei waren dann auch immer dabei in der Regie der Tagung.

 c) Pädagogische Wochenenden

Einige der Streitschlichter, die schon sehr weit gekommen sind, auch in der Reflexion der eigenen Tätigkeit, oder die viel Erfahrung gesammelt haben, haben mitgewirkt an pädagogischen Wochenenden für andere Schulen ( Darmstadt, Schwabing, Augsburg, Heidelberg, Hamburg-Bergstedt, Zürich, demnächst Berlin, Ismaning u.a.)

 d) Oberstufenveranstaltungen in Form von Berichten ihrer Arbeit haben ebenfalls einige Streitschlichter abgehalten, z.B. in Vaihingen/Enz, Reutlingen, Augsburg, Heidelberg, teilweise war das auch in Konferenzen der Schule

 e) das Online-Hilfe- Forum „Mobbing ist Lösbar“. Nach zwei Streitschlichterkongressen und vieler anschließender Arbeit, Fortbildung in Sachen Online-Kommunikation etc. vieler Beteiligter ist das Forum gegen Mobbing und Hilfestellung beim Bearbeiten jetzt seit Juni im Netz. Wir hatten dazu eine Unterstützung von der Stiftung Bündnis für Kinder- gegen Gewalt erhalten und den Rest über den Verein finanziert.

Unsere Erfahrungen aus der Arbeit bisher:

Wir haben viel gelernt und Vieles auch verändert in diesen Jahren

Die Haltung ist entscheidend ! Dann sind Methoden sinnvoll.

Die Haltung kann man so beschreiben:

Vorurteile überwinden, Interesse entwickeln auch an etwas oder jemandem, den oder das ich nicht mag. Hinterfragen lernen, was jemandem, der irgendwie merkwürdig ist, fehlen könnte ohne ein Urteil zu fällen, sondern mit dem Versuch, auch das Andersartige zu verstehen.

Methoden werden immer erst dann sinnvoll sein, wenn die Haltung stimmt ( also bereit zur Vorurteilsfreiheit und Gewaltfreiheit)

Dann sind Methoden wie Ich-Botschaft ( eigentlich auch eine Haltung), Aktives Zuhören., Perspektivenwechsel, Gewaltfreie Kommunikation, Gesprächsführung usw.. wirkungsvolle Instrumente.

Streitschlichter fällen kein Urteil über andere Schüler, sondern sie versuchen, Menschen ins Gespräch und ins gegenseitige Verstehen zu bringen, um aus diesem Verstehen ein Gefühl dafür zu entwickeln, was ein anderer braucht.

Dabei geht es um Denken im Sinne von vorurteilsfreiem Wahrnehmen, um Fühlen im Sinne von Mitfühlen und um Wollen im Sinne von tatsächlichem Handeln, um lösungsorientierte Verabredungen zu treffen und sie auch durchzuführen.

Meistens nehmen die betroffenen anderen Schüler genau dieses als wertvolles Erlebnis mit, das ihnen Beziehung ermöglicht, auch zu den Streitschlichtern und vor allem einen konstruktiven Weg zur Konfliktaustragung aufzeigt, den sie selbst gerne lernen wollen. Die meisten sind überrascht, dass das möglich ist, ohne Bestrafung, ohne Schuldgefühl eine Problematik auf Augenhöhe lösen zu können.

Karlsruhe ist die Pionier-Waldorfschule der Streitschlichter- Arbeit an Waldorfschulen

Wir sind die Pionierschule, was Schülermediatoion betrifft, im ganzen deutschsprachigen Raum, und daher kommt es auch, dass wir ständig angefragt werden, pädagogische Wochenenden zu halten, in Konferenzen zu berichten, Vorträge über Konflikte, Mobbing und Gewaltprävention zu halten. Manchmal werden wir auch zu Interventionen , also zum Eingreifen in einer akut schwierigen Situationen, gerufen.

Nach uns haben inzwischen ca 4o Schulen in irgendeiner Weise mit einer ähnlichen Arbeit begonnen, das ist allerdings an jeder Schule anders, und das ist auch richtig so..

Das Streitschlichterprojekt gehört inzwischen der Unesco-Arbeit an. Das ist aus der Sache heraus wichtig, denn es geht der Unesco vor allem um Nachhaltigkeit.

Unsere nächsten Projekte neben der „normalen“ Arbeit:

  • Der nächste Streitschlichterkongress in Gröbenzell zum Thema : „Nicht wegschauen, sondern sicher handeln“ bzw „wie finde ich heraus, was ein anderer braucht?“
  • Das Handbuch für Schüler, Eltern und Lehrer zum Thema „Ohne Interesse geht Beziehung nicht“
  • Weiterentwicklung des Online-Hilfeforums
  • Einbindung von Frau Wallmann in die Begleitungs- und Ausbildungsarbeit

August 2o11, Angelika Ludwig-Huber

Mediatorin/ Schulmediatorin BM

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